Siegel Karls des Großen

     

Karolinger im Histo-LARP

 

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Bauern, Panzerreiter und Co.

Der typische Mensch aus unserer Epoche des Fränkischen Reiches, d.h. zu Zeiten Karls des Großen, war wohl ein höriger Bauer ({xbref tag="34" }Quelle34{/xbref}). Da er kein Freier war, war er dem König auch nicht zur Heerfolge verpflichtet. Seine Kleidung war einfach und vermutlich auch eher ungefärbt (naturfarben crèmefarben-beige-braun). Mit dem Begriff "Hörige" bezeichne ich hier immer die Halbfreien - "Laten/Lassen/Liten", die es bei den Franken wie bei anderen germanischen Völkern gab. Unter den Hörigen standen in der Gesellschaft noch die Unfreien, die direkt auf dem Hof des Grundherren arbeiteten, während die Halbfreien meist eigene Höfe bearbeiteten. Die Halbfreien hatten somit eine etwas größere Entscheidungsfreiheit als die Unfreien, mussten dafür aber einem Grundherrn Abgaben leisten ("Zinspflicht"), weil ihr Grund halt dem Grundherren gehörte. Aber alle diese Rechte und Verpflichtungen erscheinen mir sehr schwammig und scheinbar stark von Region zu Region unterschiedlich. So ist auch unklar, ob Unfreie überall noch gewisse Rechte behielten (z.B. das Recht auf Leben), oder ob sie wie Sklaven behandelt werden durften, die z.B. von ihrem Herren grundlos getötet werden durften.

Die meisten Kämpfer im Heerbann (Aufgebot eines fränkischen Gaues, das für einen Feldzug des fränkischen Königs gestellt werden musste) waren freie Bauern, die ähnlich einfach wie die hörigen Bauern lebten. Sie verwendeten für den Krieg einfach dieselben Mittel wie im Arbeitsalltag. Das bedeutet, dass sie auch in der Schlacht meist nur die übliche fränkische Kleidung (und keine Rüstung) trugen, und dass sie als Waffen nur das besaßen, was sie auch als Werkzeug bei ihrer täglichen Arbeit verwendeten, d.h. Äxte, Holzstangen, Dreschflegel usw.. Daneben gab es am Königshof und in den Gauen auch {xbref tag="24"}Panzerreiter24{/xbref}, die zumindest semi-professionelle Krieger waren. Wie der Name nahelegt, waren sie prinzipiell mit Pferden unterwegs. Scheinbar haben aber auch diese Panzerreiter hauptsächlich abgesessen gekämpft (also zur Schlacht hinreiten, am Anfang auch mit Pferd und Lanze in die gegnerischen Reihen hinein, aber dann zu Fuß weiterkämpfen). Zunächst waren es Teilzeit-Krieger – sie wurden in Kriegszeiten von ihren Gauen zum königlichen Heerbann aufgeboten und von den nicht eingezogenen Bauern und Hörigen ihrer Umgebung bei ihrer Ausrüstung und Lebenshaltung unterstützt. Als Gegenleistung mussten die anderen Bauern nicht dem Heerbann folgen (Karl bestimmte in seinen Kapitularien für eine Heeresreform 807, dass jeweils 3 Hufen - später 4 Hufen, was ca. 4 Kleinstbauern entspricht, gemeinsam einen Krieger aufbieten müssen http://www.schmittroth.de/geschichte/burgen/ritter.html). Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit professionelle Reiter (--> die Ritter), die von den umliegenden (inzwischen zu ihren Hörigen gewordenen) Bauern Abgaben erhoben, um sich ausrüsten aber auch ernähren zu können. Wer etwas mehr Land besaß, konnte sich bessere Kleidung und bessere Rüstung leisten, z.B. eine Flügellanze und einen Schild (relativ preisgünstig - siehe Preistabelle in Sonstiges). Nur ein Teil von diesen konnte sich ein Schwert und ein noch kleinerer Teil eine teure Rüstung leisten (mehr Stahl und mehr Schmiedearbeit nötig). Dazu gab es natürlich auch größere Bauern (bis zu ganz großen) mit vielen Hufen Land, die sich eine bessere Ausrüstung leisten konnten und auch stärker in die (Wehr-) Pflicht genommen wurden. So musste, laut erwähnter Kapitularien, jeder Bauer mit mindestens 12 Hufen Land dem Heerbann als Panzerreiter gerüstet (d.h. mit Brünne und Helm) zur Verfügung stehen (http://www.zeno.org/Geschichte/M/Delbr%C3%BCck,+Hans/Geschichte+der+Kriegskunst/3.+Teil.+Das+Mittelalter/1.+Buch.+Karl+der+Gro%C3%9Fe+und+seine+Nachkommen/1.+Kapitel.+Karl+der+Gro%C3%9Fe/Bewaffnung+und+Taktik).

Eine nicht gänzlich geklärte Rolle spielten königsfreie Bauern. In manchen Quellen werden diese den normalen Freien gleichgesetzt, in anderen steht, dass sie ein besonderes Treueverhältnis zum König hatten. Ich gebe hier mal die zweite Interpretation wieder: Königsfreie sind dem König zu besonderer Treue verpflichtet und müssen deshalb verstärkt Heeresdienst leisten. Manchmal taucht für sie der Begriff Königsbauern auf, aber teilweise wird dieser Begriff nur für die Verwalter der fränkischen Königsgüter und -höfe verwendet. Im Regelfall hatten diese Bauern wohl ihr Land vom König erhalten, durften es aber an ihre Nachkommen vererben. Insbesondere in den Grenzmarken wurde diese Methode verwendet, um fränkische Bauern (u.a. als Wehrbauern rund um Königsgüter) anzusiedeln. Aber auch im Kernland gab es solche Königsfreien. Durch ihr besonderes Verhältnis zum König hatten sie etwas größere Güter mit Knechten/Halbfreien/Hörigen, die für sie schuften mussten. Ihre Abgaben, den Königszins, lieferten sie gänzlich dem König ab, während bei den Abgaben der anderen Bevölkerung der Graf ein Drittel einbehalten durfte.

Weiterhin gab es im Heer des fränkischen Königs noch weitere Berufskrieger, nämlich die Leibwachen des Königs und der Gaugrafen und Adeligen. Die Leibwache des Königs wurde als Scara francisca (die "Schar") bezeichnet wird. Es waren gut gerüstete professionelle Panzerreiter, die in Hundertschaften organisiert waren und den König auf seinen Feldzügen begleiteten sowie zur Wahrung der Ordnung an mehreren Orten des Reiches stationiert waren.